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Infektiologie & Hygiene

Antibiotikaprophylaxe: Diagnose

Grundlagen

  • Als „perioperative Antibiotika-Prophylaxe“ wird eine kurz dauernde Antibiotika-Gabe bei chirurgischen Indikationen mit hohem postoperativem Infektions-Risiko bezeichnet.
  • Ziel der perioperativen Antibiotika-Prophylaxe ist, oberflächliche und tiefe post-operative Wundinfektionen oder andere postoperative infektiöse Komplikationen (z. B. Pneumonie, Sepsis, Harnwegsinfekte) zu verhindern oder zu reduzieren.

Ätiologie

Die wichtigsten Erreger, gegen welche eine perioperative Prophylaxe eingesetzt wird, entsprechen einerseits dem körpereigenen Erregerspektrum der jeweiligen Körperregion, wo die Operation durchgeführt wird (z. B. Mundhöhle, Darm etc.) bzw. potenziellen Keimen bei Patienten mit Abwehrschwäche, anderseits bei Verletzungen den zu erwartenden Infektionskeimen, z. B. bei Tierbissen, Schusswunden, Verschmutzung durch Erde, Fäkalien etc.

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • Clostridien
  • Anaerobier (Bacteroides, anaerobe Streptokokken, Fusobakterien, Propionibakterien, Aktinomyzeten)
  • Enterobakterien (z. B. Escherichia, Klebsiella, Serratia, Proteus)
  • andere

Risikofaktoren

Präoperative Risikofaktoren
  • Notfalleingriffe
  • kontaminierte Wunden
  • Hochrisikoeingriffe
  • Fremdkörperimplantationen
  • >3 Wochen präoperativer Krankenhausaufenthalt
  • OP innerhalb 4 Wochen nach Akutaufnahme
  • Steine oder wiederholte Eingriffe in/an den Gallenwegen
Perioperative Risikofaktoren
  • Erfahrungsstand des OP-Teams
  • OP-Dauer >2 Stunden
  • ausgedehnte Blutungen
  • Notwendigkeit von Bluttransfusionen
  • OP-Komplikationen
  • mehrere operative Eingriffe
  • ausgedehnte Diathermie
  • Sauerstoffabfall
  • Unterkühlung
Postoperative Risikofaktoren
  • Drainagedauer >3 Tage
  • Respiratorische Sepsis
  • Unterkühlung
  • Harnkatheter
  • zentrale Venenkatheter
  • Nachweis von Enterokokken, Enterobakterien oder Anaerobiern im Wundareal
Patientenspezifische Risikofaktoren für postoperative Infektionen
  • Hohes Lebensalter (>70 Jahre)
  • reduzierter Allgemeinzustand
  • Mangelernährung
  • Adipositas
  • Dialysepflicht
  • Diabetes mellitus
  • Immuninkompetenz
  • Infektionen/Fieber vor Operation
  • MRSA-Trägertum
  • Drogenabusus
  • Leberinsuffizienz
  • arterielle Minderdurchblutung
  • periphere Ödeme
  • Lymphangitis
  • Neuropathie
  • weibliches Geschlecht bei bestimmten Indikationen

Einteilung der Eingriffe nach Kontaminationsgrad

Aseptisch

Die Schleimhaut des Respirations-, Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakts wird dabei nicht verletzt. Häufigste Keime sind Staphylokokken. Bei einer Wundinfektionsrate von <2 % ist eine Antibiotika-Prophylaxe nicht notwendig.
Ausnahme: Implantation von Fremdmaterial.

Kontaminiert

Die Schleimhaut des Respirations-, Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakts wird verletzt. Häufigste Erreger im Respirationstrakt sind Streptokokken und Staphylokokken, im Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt Enterobakterien, Enterokokken und Anaerobier.

Septisch

Eingriffe in Körperregionen mit massiver bakterieller Kontamination oder offene Traumata mit starker Verschmutzung. Meistens polymikrobielle Infektionen mit Escherichia coli und Anaerobiern. Die Wundinfektionsrate kann durch die Antibiotika-Prophylaxe von 25% auf 5% gesenkt werden.

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Letztes Update:26 Februar, 2009 - 10:18